"Elisabeth - Die Legende einer Heiligen"

Ein Musical über die hl. Elisabeth am Originalschauplatz


Fotos: Dominik Ketz



Welche Stadt könnte sich wohl besser als Aufführungsort für ein Musical über die heilige Elisabeth eignen als Eisenach? - Das haben sich wohl auch die Verantwortlichen der spotlight Musikproduktion GmbH gesagt, als sie beschlossen, die Uraufführung von "Elisabeth - Die Legende einer Heiligen" in unmittelbarer Nähe der Wartburg auf die Bühne zu bringen.
Musicals Unlimited besuchte die Vorstellung im Thüringer Landestheater am Sonntag, den 22. Juli 2007.


Die Handlung in Kürze: Die aus Ungarn stammende Königstochter Elisabeth (*1207) kommt als Vierjährige nach Thüringen. Sie ist bereits als Kind sehr religiös und auf der Suche nach ihrem Lebensweg. Als junge Frau heiratet sie Ludwig, dem sie versprochen war. Die beiden verbindet jeoch auch eine innige Liebe. An Konrads Hof beginnt Elisabeth, sich um Arme und Kranke zu kümmern. Das Glück des jungen Paares hält nicht sehr lange an, denn Ludwig fällt im Krieg. In Konrad von Marburg hat Elisabeth einen geistigen Mentor, der jedoch nicht aus Nächstenliebe, sondern aus eigenem Interesse handelt. Schließlich läßt Elisabeth ihr ganzes privilegiertes Leben hinter sich, opfert sich für die Menschen und den Glauben auf und lebt selbst wie eine Bettlerin. Entkräftet stirbt sie 1231 mit nur 24 Jahren.


Die Musik zu "Elisabeth - Die Legende einer Heiligen", deren instrumentale Anteile eingespielt werden, stammt von Dennis Martin und Peter Scholz. Das Komponisten-Duo hat eine ganze Reihe von gefälligen Songs geschaffen, bei denen man oftmals meint, sie irgendwo schon einmal gehört zu haben.

Das Buch stammt ebenfalls von Dennis Martin. Die Endfassung der flüssig klingenden Texte hat das Text-Atelier, Dr. Mathias R. Schmidt, beigesteuert.

Die Handlung weist aus meiner Sicht einige Lücken auf. Wichtige Ereignisse im Leben Elisabeths werden mit einem Nebensatz abgehakt, während eher Belangloses ausführlich in Liedern besungen wird. Ich hätte einiges schon von Buch und Partitur her stärker gestrafft, anderes detailierter auf die Bühne gebracht.

Für die Regie hat Reinfried Schieszler gesorgt. Er und Choreographin Doris Marlies haben mit dem Platz auf der verhältnismäßig kleinen Bühne des Thüringer Landestheaters geschickt gehaushaltet: Alle Solisten und Ensemble-Mitglieder kommen gut zur Geltung. 

Berd-Heinrich Sogel (Bühnenbild) und Sabine Wiesenbauer (Lichtdesign) haben eine klare und durchaus effektvolle Optik geschaffen. Claudia Kuhrs Kostüme erscheinen ebenfalls ausgewogen; schlichte und opulente Elemente ergeben einen harmonischen Gesamteindruck, der auch durch die Maske von.Elke Quirmbach unterstützt wird.


Folgende Solisten sind zu sehen und zu hören (Erstbesetzungen):

Sabrine Weckerlin füllt die Titelrolle mit klarer Stimme und gut zur Rolle passendem Erscheinungsbild. Vor allem im ersten Akt bietet sich ihr jedoch leider kaum Gelegenheit, schauspielerisch eine Entwicklung der Figur zu zeigen. Zu stereotyp sind viele Charaktere des Stücks angelegt.
Elisabeths erster Auftritt, bei dem die große Elisabeth der kleinen begegnet und deren kindliche Gedanken in einem Lied äußert, hat mich irritiert. Die Szene wirkte auch mich zu konstruiert; ich hätte mir entweder ein singendes Kind (schwieriger zu besetzen) oder einen klaren Rückblick der großen Elisabeth gewünscht.   

Chris Murray in der Rolle des fanatisch-berechnenden Konrad von Marburg ist der einzige Darsteller, der seiner Figur eine Portion Charisma verleihen kann. Auch gesanglich ist er sehr präsent. Bei seinen Auftritten sitzt das Publikum gebannt im Sessel.

Elisabeths Ehemann Ludwig wird von Armin Kahl sympathisch auf die Bühne gebracht.

Teilweise als Erzähler im Rückblick, teilweise als im eigentlichen Geschehen präsente Figuren treten die Minnesänger Wolfram von Eschenbach und Walther von der Vogelweide auf, die nie einer Meinung sind. Im Programmheft ist der Hintersinn dieser kleinen, komödiantisch angelegten Streitigkeiten erläutert: Es handelt sich um eine Anspielung auf Richard Wagners "Tannhäuser"; dort wird der berühmte Sängerstreit auf der Wartburg thematisiert. Ich persönlich werde von solchen Erzähler-Figuren leicht aus der Handlung herausgerissen, beim überwiegenden Teil des Publikums kommen lustige, auflockernde Elemente aber offenbar gut an.
Verkörpert werden die beiden Minnesänger von Kristian Korsholm Vetter (Wolfram von Eschenbach) und Jesse Garon (Walther von der Vogelweide).

Heinrich Raspe, Ludwigs jüngerer Bruder, wird solide dargestellt von Christian Schöne.
Der als Widersacher Elisabeths angelegte Charakter erscheint am Ende des Stücks als der einzig Vernünftige, sorgt er doch dafür, dass Elisabeths Kinder versorgt sind und lebenswichtige Dinge lernen. Elisabeth wirkt dagegen wie eine durchaus egoistische Frau, die jeden Bezug zur Realität verloren hat. Sie lässt immerhin widerstandlos ihre Kinder im Stich, um sich für die untere Gesellschaftsschicht aufzuopfern und ihrem "Guru" Konrad zu folgen. Auch als ihr scheinbar urplötzlich die Erkenntnis kommt, dass es dieser nur auf ihre Heiligsprechung (!), Macht, Geld und Ruhm abgesehen hat, ändert sie ihr Verhalten nicht.

In weiteren solistischen Rollen treten auf: Mara Dorn als Elisabeths Schwiegermutter Landgräfin Sophie, Katrin Wiedmann als Elisabeths Vertraute und Zofe Guda und Artur Ortens als Bischof Eckbert. Das Solo des Letztgenannten, der auch für Regieassistenz und Abendspielleitung verantwortlich zeichnet, fällt komplett aus dem Rahmen: Hat man bis dahin (und auch danach wieder) ein durchgehend mittelalterliches Ambiente und poppige Musik, so lässt Bischof Eckbert die klerikalen Hüllen fallen und präsentiert sich samt Tänzerinnen und Tänzern im von der Charleston-Ära inspirierten Show-Look mit swingendem Song.


Fazit: "Elisabeth - Die Legende einer Heiligen" ist ein optisch ansprechendes Spektakel mit hübschen, aber recht beliebigen Melodien, die nicht haften bleiben. Die Handlung plätschert seicht vor sich hin, ohne so recht in die Tiefe zu gehen. Innovatives findet man in "Elisabeth - Die Legende einer Heiligen" nicht, sondern ein nach bekannten und bewährten Mustern gestricktes Musiktheaterstück. - Am Ende applaudierte das Publikum in der besuchten Vorstellung kräftig für eine Show, die als "nett" (Zitat Zuschauer) bezeichnet wurde.   


Informationen zum Stück, Termine und Tickets unter: www.spotlightmusical.de
Claudia Bauer-Püschel
(24.07.2007)