"Les Misérables" verabschiedet sich aus Baden

Das Publikum feiert seine "Les Misérables"-Solisten bei einer Late-Night-Show noch einmal


Mitwirkende der Les Misérables-Late-Night-Show
Fotos: Stadttheater Baden


Am Sonntagnachmittag (25.03.2007) ging im österreichischen Baden die Les Misérables-Derniere über die Bühne, bei der alle Darsteller noch einmal ihr Bestes gaben. Am Abend verabschiedeten sich dann Solisten der Produktion mit einer Late-Night-Show (Beginn: 22.00 Uhr) von ihrem Publikum. Bei diesem Programm durften sich die Künstler auch einmal von einer ganz anderen Seite präsentieren...

Für die gute musikalische Basis bei der Late-Night-Show sorgten im Orchestergraben das Badener Städtische Orchester unter der Musikalischen Leitung von Franz Josef Breznik und auf der Bühne die "Late-Night-Band" mit Judith Kellner (Baßgitarre), Irina Nikolayeva (Keyboard), Hubert Pfeiffer (Schlagzeug), Markus Ratka (E-Gitarre) und Pavel Singer (Keyboard).

Zwar traten nicht alle Les Misérables-Solisten bei der Late-Night-Show auf - so bedauerten einige Zuschauer, daß der Enjolras der Produktion, Aris Sas, nicht dabei war, aber diejenigen Künstler, die zu später Stunde noch eine Extraschicht einlegten, brachten Musik pur ins Badener Stadttheater: ein rund zweistündiges, abwechslungsreiches Programm, das ohne Pause und Moderation auskam.

Den schwungvollen Anfang machte Artur Ortens mit Cole Porters "Wo ist die liebestolle Zeit?" aus Kiss Me, Kate. Patricia Nessy begeisterte stimmgewaltig mit "Ich gehör' nur mir" aus Elisabeth, und Zoltán Tombor besang seine "Maria" (West Side Story).

Mit "Nur sein Blick" aus Jekyll & Hyde, interpretiert von Claudia Rohnefeld und Bettina Reifschneider, stand ein weibliches Musical-Duett auf dem Programmzettel, bevor es beschwingt mit zwei My Fair Lady-Klassikern ("Ich hätt' getanzt heut' Nacht", gesungen von Katrin Fuchs / "In der Straße, wo du wohnst" mit Beppo Binder) weiterging.

Chris Murray hatte seinen ersten Auftritt des Abends mit "Why God, Why?" aus Miss Saigon, das wie Les Misérables von Boublil/Schönberg stammt. Bei diesem Stück überzeugte Chris Murray nicht ganz; sein musikalischer Höhepunkt sollte später kommen.

Einen der interessantesten Auftritte des Abends hatte der musikalisch vielseitige Dietmar Seidner mit seiner außergewöhnlich instrumentierten Eigenkomposition "Waiting For A Call" (Dietmar Seidner: E-Zither, Max Volt: Percussion).
Einen Beitrag für den schrägen Geschmack lieferte Claudia Rohnefeld mit "Whatever Happened To My Part" (Diva's Lament) aus dem Monty Python-Musical Spamalot.

Les Misérables-Hauptdarsteller Darius Merstein-MacLeod lieferte mit dem "Gebet" aus The Scarlet Pimpernel einen bewegenden Vorgeschmack dessen ab, was das Badener Publikum im nächsten Jahr erwarten könnte, denn in Musicalkreisen wird gemunkelt, daß The Scarlet Pimpernel 2008 auf dem Badener Spielplan steht. (Zur Zeit ist Darius Merstein-MacLeod noch am Opernhaus Halle in The Scarlet Pimpernel zu sehen, ebenso wie Chris Murray. Regie: Robert Herzl.)

Christian Zmek und Dietmar Seidner amüsierten mit ihrem choreographisch ausgefeilten Auftritt zu Irving Berlins "Couple Of Swells". Einen Ausflug ins Opernfach unternahm danach Darius Merstein-MacLeod mit "E lucevan le stelle" aus Puccinis Tosca. - Bravo!
Kontrastreich ging das Programm weiter mit Joly-Darsteller Robert Herzl und dem Juliane Werding-Titel "Am Tag, als Conny Kramer starb", gefolgt von Johanna Arrouas, die ein sehr schön interpretiertes "Papa, Can You Hear Me?" aus Yentl zu Gehör brachte. Ebenfalls aus Michel Legrands Yentl war "Where Is It Written?", gesungen von Bettina Reifschneider.

Mit "Gethsemane" aus Jesus Christ Superstar setzte Chris Murray einen der stärksten Akzente der Late-Night-Show. Seine Interpretation von Webbers Jesus-Song war an diesem Abend von einer geradezu unheimlichen Intensität!

Lyrischer fortgesetzt wurde die Show mit Dessislava Valeva-Philipova und "Somewhere Over The Rainbow" (Wizard Of Oz). "I Know Him So Well" (Chess), eigentlich ein reines Frauen-Duett, wurde in einer interessanten Version von Patricia Nessy und Max Volt dargeboten. Danach gefiel Franz Födinger mit "Ich träum' den unmöglichen Traum" aus Mitch Leighs Man Of La Mancha.

Mit "Gefährliches Spiel" (Jekyll & Hyde) stand eine weitere Frank Wildhorn-Komposition auf dem Plan, bei der Darius Merstein-MacLeod im Duett mit Claudia Rohnefeld jedoch einen ungewohnt zahmen, "ungefährlichen" Hyde abgab, der ansonsten seine Paraderolle darstellt. Dieses (vielleicht wenig galataugliche) Lied hätte man nicht so stark aus seinem Kontext reißen sollen; dadurch ging leider enorm viel von seiner Wirkung verloren.

Bei einem großen Andrew Lloyd Webber-Medley waren nochmals Bettina Reifschneider, Chris Murray, Patricia Nessy, Darius Merstein-MacLeod, Johanna Arrouas, Max Volt und Dietmar Seidner zu hören. Max Volt gab anschließend "Summertime" aus Gershwins Porgy & Bess zum Besten, bevor Darius Merstein und Chris Murray die Schlußnummer aller Mitwirkenden "Can You Feel The Love Tonight?" aus The Lion King eröffneten. Ohne Zugaben ließ das Publikum die Künstler jedoch nicht gehen, und so wurde erwartungsgemäß auch noch die Les Misérables-Hymne "Hört ihr, wie das Volk erklingt?" angestimmt. Was am Ende erklang, waren tosender Applaus und Begeisterungsrufe.

Claudia Bauer-Püschel
(27.03.2007)