"Les Misérables"
|
|
Lange
hatten die Tecklenburger Freilichtspiele darum gekämpft, das
Revolutionsmusical "Les Misérables" als erste deutsche Bühne unter
freiem Himmel zeigen zu können. - Am vergangenen Samstag (24. Juni
2006) war es endlich soweit!
Boublil/Schönberg-Klassikers
erleben, für den die Burgruine eine wunderbare Kulisse darstellt. Fest
steht: Das
Tecklenburger Team hat die Chance, die ihm das musikalisch und
inhaltlich sehr gute Ausgangsmaterial des Stücks bot, einwandfrei
genutzt.
Die örtlichen Gegebenheiten
der Burgruine behindern das Stück keinesfalls,
auch wenn man nicht mit großer Bühnentechnik arbeiten kann, im
Gegenteil: sie bieten "Les Misérables" neue Möglichkeiten, die Helga
Wolf in
ihrer Regiefassung des Musicals nutzt.
Ereignisse am Ende des Stücks
wünschen, denn hier
hat das Buch eine Schwäche, und es blieben in bislang jeder
Inszenierung, die ich gesehen habe, Fragen
offen. (Wann genau verläßt Valjean Marius und Cosette? Wie groß ist der
zeitliche Abstand zur Hochzeit? Woher weiß Valjean dann, daß der
Hochzeitstag gekommen ist, was ja explizit erwähnt wird? Wieso weiß
Marius, wo Valjean zu finden
ist, der in der Abschiedsszene nicht gesagt hat, wo er hingehen wird?
Gab es etwa einen Briefkontakt? Oder geht Valjean wirklich erst am
Hochzeitstag? Aber wie kommt es dann zu seiner plötzlichen
gesundheitlichen Verschlechterung?...)
In der Hauptrolle des Jean Valjean gibt Christopher
Murray sein
Debüt bei den Tecklenburger Freilichtspielen und portraitiert den
Charakter absolut überzeugend. Dies gilt auch für seinen Gegenpart,
Javert-Darsteller Dean Welterlen.
Ehepaar Thénardier die Lacher auf ihrer
Seite.
Cosette Elisabeth Ebner könnte noch mehr Präsenz in ihrer
Rolle entwickeln; ihr Einstand in Tecklenburg ist aber dennoch
gelungen. Vera Bolten bringt als Eponine bereits Erfahrung aus
zwei "Les Misérables"-Produktionen (Bonn, Berlin) mit. Über
ihre eindringliche Stimmfärbung kann man geteilter Meinung sein; das
Schicksal der Eponine weiß sie auf jeden Fall glaubhaft zu vermitteln.
Für die Kinderdarsteller gab es in der
Premiere besonders häufig
Szenenapplaus. Gavroche wurde von Dominic Niedenzu, die kleine
Cosette von Mia Kirsch und die kleine Eponine von Anna-Maria
Mindrup dargestellt.
nur unterschreiben,
obwohl
die Produktionen, die ich vorher gesehen hatte, beileibe auch nicht
schlecht
waren.